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Redirect-Ketten und Redirect-Schleifen

Jeder zusätzliche Redirect-Hop kostet Zeit, und eine Schleife macht eine Seite komplett unerreichbar. Hier erfährst du, wie Ketten und Schleifen entstehen, wie du sie aufspürst und wieder loswirst.

Was ist eine Redirect-Kette?

Eine Redirect-Kette (englisch redirect chain) besteht aus zwei oder mehr Weiterleitungen zwischen der aufgerufenen URL und der eigentlichen Seite. Statt direkt von A zum Ziel geht es von A nach B, von B nach C – und erst dann gibt es Inhalt:

http://example.com/shop
  301 → https://example.com/shop
  301 → https://www.example.com/shop
  301 → https://www.example.com/shop/
  200 OK

Für sich genommen ist jeder dieser Redirects korrekt. Zusammen zwingen sie jeden Besucher und jeden Crawler zu drei zusätzlichen Roundtrips.

Eine Redirect-Schleife (redirect loop) ist eine Kette ohne Ende: Eine URL leitet direkt oder über Umwege wieder auf sich selbst um.

https://example.com/
  301 → https://www.example.com/
  301 → https://example.com/
  301 → https://www.example.com/
  ...

Browser brechen nach einer festen Zahl von Weiterleitungen ab (20 in Chrome und Firefox) und zeigen eine Fehlermeldung – in Chrome ERR_TOO_MANY_REDIRECTS, in Firefox „Die Seite leitet nicht richtig weiter“. Die Seite ist dann für niemanden mehr erreichbar.

Warum Ketten schaden

  • Ladezeit: Jeder Hop ist ein vollständiger HTTP-Request samt Antwort. Wechselt dabei der Hostname, braucht der Browser unter Umständen zusätzlich einen DNS-Lookup, eine neue TCP-Verbindung und einen TLS-Handshake. Im Mobilfunknetz summiert sich das schnell zu einer spürbaren Verzögerung, bevor das erste Byte der echten Seite ankommt.
  • Crawl-Budget: Der Googlebot muss jede Zwischen-URL abrufen. Auf großen Websites fehlt die Crawl-Kapazität, die für Redirect-Hops draufgeht, bei neuen oder aktualisierten Inhalten.
  • Harte Grenzen: Google folgt bis zu 10 Hops. Kommt es innerhalb dieser Grenze nicht beim Inhalt an, meldet die Search Console einen Weiterleitungsfehler, und die URL wird nicht indexiert. Andere Crawler, Link-Vorschau-Bots und HTTP-Clients geben oft deutlich früher auf.
  • Fehleranfälligkeit: Je länger die Kette, desto mehr Stellen können kaputtgehen. Ein abgelaufenes Zertifikat oder eine gelöschte Regel mittendrin – und die ganze Kette ist tot.

Was Ketten nicht tun: Laut Google vererben permanente und temporäre Redirects PageRank, eine kurze Kette „verliert“ also nicht pro Hop Linkkraft. Das Problem sind Tempo, Crawling und Zuverlässigkeit. Ziel bleibt trotzdem: jeder Redirect in einem einzigen Hop.

Wie Ketten entstehen

Kaum jemand baut Ketten absichtlich. Sie wachsen mit der Zeit:

  • Getrennte Normalisierungsregeln: eine Regel für HTTP auf HTTPS, eine für www, eine für den abschließenden Slash, die nacheinander greifen. Die Lösung steht in HTTP auf HTTPS und im Guide zum www-Redirect.
  • Relaunch auf Relaunch: 2019 wurde /produkte.html auf /produkte/ umgeleitet, 2023 zog /produkte/ nach /shop/. Den ersten Redirect hat niemand angepasst.
  • Domain-Umzüge: Die alte Domain leitet auf denselben Pfad der neuen Domain um, und dort wird dieser Pfad noch einmal weitergeleitet. Siehe die Checkliste zum Domain-Umzug.
  • Mehrere Ebenen: CDN, Webserver, Anwendung und ein CMS-Plugin setzen jeweils eigene Redirects.
  • Interne Links auf alte URLs: Navigation, Sitemap oder Canonical-Tags zeigen auf URLs, die weiterleiten – die Kette beginnt also schon auf deiner eigenen Website.
  • Tracking- und Kurz-URLs vor einer Landingpage, die ohnehin schon weitergeleitet wird.

Typische Ursachen für Schleifen und ERR_TOO_MANY_REDIRECTS

UrsacheWas passiertLösung
TLS endet am Proxy oder CDN (z. B. Cloudflare „Flexible“)Der Ursprungsserver sieht jede Anfrage als HTTP und leitet auf HTTPS um, der Proxy fragt wieder per HTTP anCloudflare auf „Full (strict)“ stellen oder X-Forwarded-Proto statt des Verbindungsprotokolls prüfen
Widersprüchliche Host-RegelnDer Server erzwingt www, CMS oder CDN erzwingen die Variante ohne wwwEinen bevorzugten Host festlegen und ihn an genau einer Stelle durchsetzen
Falsche URL im CMSDie WordPress-Adresse beginnt mit http://, der Server erzwingt aber HTTPS – oder umgekehrtWebsite-Adresse auf die finale HTTPS-URL setzen
Trailing-Slash-KonfliktEine Regel hängt einen Slash an, eine andere entfernt ihnFür eine Konvention entscheiden und die Gegenregel löschen
Regel trifft ihr eigenes Ziel/shop leitet auf /shop/ um, und ein Muster wie ^shop greift beim Ziel erneutMuster mit ^ und $ verankern, Bedingungen ergänzen
Redirects abhängig von Cookie oder LoginDie Login-Seite leitet aufs Dashboard, das Dashboard zurück zum Login, weil ein Cookie nicht gesetzt wirdCookie-Domain, Secure-Flag und Pfad prüfen; zum Testen Cookies löschen
Sprach- oder Geo-RedirectsZwei Regeln zur Spracherkennung schicken Nutzer hin und herNur von einer neutralen URL aus umleiten, nie zwischen Sprachversionen

Ein Klassiker für eine Regel, die ihr eigenes Ziel trifft, in Apache:

# Falsch: greift auch bei /neuer-shop/ und leitet erneut um
RewriteRule shop https://example.com/neuer-shop/ [L,R=301]

# Richtig: greift nur bei exakt /shop oder /shop/
RewriteRule ^shop/?$ https://example.com/neuer-shop/ [L,R=301]

Plattformspezifische Schleifen und ihre Lösungen findest du in den Guides zu Cloudflare, WordPress und .htaccess.

So findest du Ketten und Schleifen

  1. Einzelne URLs: Gib die URL in den Redirect Checker ein. Er listet jeden Hop mit Statuscode, Ziel und Antwortzeit auf und erkennt Schleifen. Teste alle Varianten: http://, https://, mit und ohne www, mit und ohne abschließenden Slash.
  2. URL-Listen: Kopier alte URLs, Backlink-Ziele oder deine Redirect-Map in den Bulk-Checker und sortier nach der Anzahl der Hops.
  3. Ganze Websites: Ein Desktop-Crawler wie Screaming Frog oder ein Site-Audit-Tool findet interne Links, die auf Redirects zeigen, und meldet Ketten auf der gesamten Website.
  4. Search Console: Im Seitenindexierungsbericht tauchen URLs mit „Weiterleitungsfehler“ auf. Dahinter stecken meist Schleifen, zu lange Ketten oder Redirects auf ungültige URLs.
  5. Kommandozeile: Für einen schnellen Check zeigt dir curl jeden Hop:
    curl -sIL http://example.com/shop | grep -iE '^(HTTP|location)'

So löst du Redirect-Ketten auf

  1. Jede Quelle direkt aufs finale Ziel zeigen lassen. Geh deine Redirect-Regeln durch und ersetz jedes Ziel, das selbst weiterleitet, durch die endgültige URL. In der Redirect-Map heißt das: Gibt es B → C, wird aus A → B einfach A → C.
  2. Normalisierungsregeln zusammenfassen. Protokoll, Host und Slash gehören in einen einzigen Redirect. Zum Beispiel in nginx:
    server {
        listen 80;
        listen [::]:80;
        server_name example.com www.example.com;
        return 301 https://www.example.com$request_uri;
    }
  3. Jede Regel nur an einer Stelle durchsetzen. Entweder im CDN, auf dem Server oder in der Anwendung – nicht überall gleichzeitig.
  4. Interne Links, Canonical-Tags und Sitemaps anpassen, sodass sie auf finale URLs zeigen. Deine eigene Website sollte nie einen Redirect auslösen.
  5. Alte Redirects behalten. Lösch keine Zwischen-Redirects, sondern ändere nur ihr Ziel. Externe Links können auf jede URL der Kette zeigen.
  6. Erneut testen mit dem Redirect Checker: Jede Variante sollte mit genau einem Hop bei einem 200 landen.

Ein einziger Hop ist das Ziel. Welcher Statuscode für diesen Hop der richtige ist, erfährst du in 301 vs. 302.

Häufige Fragen

Ab wie vielen Redirects ist eine Kette zu lang?

Der Googlebot folgt bis zu 10 Hops, Browser brechen bei 20 ab. Ziel sollte aber immer ein einziger Hop sein. Jeder weitere kostet Ladezeit und Crawl-Aufwand – bau also jede Kette mit zwei oder mehr Redirects zurück, sobald du sie entdeckst.

Verlieren Redirect-Ketten PageRank?

Laut Google vererben 301, 302, 303, 307 und 308 alle PageRank. Die echten Kosten von Ketten sind längere Ladezeiten, verschwendetes Crawl-Budget und das Risiko, an das Limit von 10 Hops zu stoßen oder an einer kaputten Stelle mittendrin hängen zu bleiben.

Wie behebe ich ERR_TOO_MANY_REDIRECTS?

Lösch zuerst die Cookies der Website, um eine Cookie-Schleife auszuschließen. Prüf die URL dann im Redirect Checker, um zu sehen, zwischen welchen URLs es hin- und hergeht. Die üblichen Verdächtigen sind Cloudflares SSL-Modus „Flexible“, eine CMS-Adresse, die nicht zu den Server-Regeln passt, oder widersprüchliche Regeln für www und Slash.

Sollte ich alte Redirects löschen, um Ketten zu verkürzen?

Nein. Änder lieber ihr Ziel auf die finale URL. Backlinks und Lesezeichen können auf jede URL der Kette zeigen, und ein gelöschter Redirect macht aus diesen Links 404-Fehler.

  • HTTP auf HTTPS umleiten

    Jede HTTP-URL deiner Website sollte mit genau einem permanenten Redirect auf ihrer HTTPS-Version landen. Hier erfährst du, wie du das einrichtest, mit HSTS absicherst und prüfst.

  • www-Redirect: mit oder ohne www

    www.example.com und example.com sind zwei verschiedene Hosts. Entscheide dich für einen, leite den anderen dauerhaft um und sorg dafür, dass der Rest deiner Website mitspielt.

  • Domain-Umzug: die SEO-Checkliste

    Ein Umzug auf eine neue Domain ist gut beherrschbar, wenn jede alte URL auf ihr exaktes Gegenstück weiterleitet. Diese Checkliste führt dich durch die Zeit vor, während und nach dem Umzug.